JOERG DEISINGER – VOM PROFESSIONELLEN ROCKMUSIKER ZUM KÜNSTLERISCHEN HOCHZEITSFOTOGRAFEN – EIN RÜCKBLICK…

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Seit einiger Zeit erhalte ich verstärkt E-Mails oder interessierte Nachfragen von Hochzeitskunden bezüglich meiner Vergangenheit als Bassist und professioneller Rockmusiker der in den 80er Jahren international erfolgreichen Band BONFIRE. Vermutlich sind auch einige Besucher meiner Webseite dem Link zu Wikipedia gefolgt und haben so von meiner erfolgreichen Zeit bei Bonfire erfahren. Das ein oder andere Paar war dann sicher überrascht, dass ihr Hochzeitsfotograf auf diversen Kuschelrock-Samplern vertreten ist und mit der Single “You make me feel” sogar einen kleinen Hit in Deutschland landen konnte, andere wiederum waren vielleicht nur neugierig. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, ein Interview, welches ich im Jahre 2009 für das renommierte deutsche Rockmagazin “Metal-Hammer” gegeben habe, hier auf meinem Blog zu veröffentlichen. Da besagtes Interview unter dem Titel “Rückspiegel” zu jener Zeit aus Platzgründen nur in gekürzter Fassung gedruckt wurde, gibt es nachfolgend den Text in voller Länge…

RÜCKSPIEGEL – Interview mit Joerg Deisinger (ex-Bonfire)

www.metal-hammer.de – Interview: Matthias Weckmann
Du hast die erfolgreichste Zeit von Bonfire in den Achtzigern miterlebt, allein FIREWORKS wurde in Deutschland über 250.000-mal verkauft: Was machte die Band zu dem Zeitpunkt richtig/wieso war sie so populär?

Ich glaube, da sind viele Dinge in die richtige Richtung gelaufen: Wir hatten als eine der wenigen deutschen Bands einen Mayordeal bei RCA in der Tasche, mit Mario Mendrzycki ein engagiertes Management mit Top Einfluss in die obersten Etagen des Musikgeschäfts und herausragende Songs, die den Leuten im Ohr hängen blieben. Auch rein optisch passten wir damals perfekt in die Verkaufsmaschinerie des 80er Jahre Hardrocks, welchem kurz vorher von Bands wie Europe oder Bon Jovi der kommerzielle Weg geebnet wurde. Nach mehrmonatigen Tourneen mit ZZ Top und Judas Priest schafften wir dann 1988 mit dem Album Fireworks den Durchbruch und fanden uns monatelang in den deutschen Charts wieder. Damals war das eine Sensation und die Fans und Medien standen Kopf.

Welche Ziele hast du mit Bonfire erreicht, welche nicht?

Seit ich 9 Jahre alt war wollte ich Rockstar werden, zusammen mit einer Band durch die Welt ziehen und Konzerte spielen. Dieser Traum hat sich mit Bonfire erfüllt und dafür bin ich sehr dankbar. Leider war es uns nicht möglich, nach all den positiven Erfahrungen auch die schweren Zeiten zu überstehen und die Band zusammen zu halten. But who’s perfect?

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Was für Erinnerungen hast du an die damalige Zeit?

Die meisten Erinnerungen verbinde ich mit unserer großartige Zeit während der Aufnahmen von Fireworks im Sommer 1987 in Los Angeles. Dies Stadt und ihre Ausstrahlung auf Rockmusiker in den 80er Jahren war schon gewaltig. Alles war für mich neu, so überwältigend groß und beeindruckend. Die vor Ort lebenden Menschen hatten eine unglaubliche Energie und ein Selbstbewußtsein, dass es einem Angst und Bange wurde. Diese Zeit hat mich als Mensch sehr geprägt und gelehrt, dass man im Leben alles erreichen kann, wenn man es nur wirklich will.

Welches ist Dein Lieblingsalbum, auf dem Du bei Bonfire mitgewirkt hast?

Definitiv Fireworks.

Wieso bist du 1994 ausgestiegen?

Ich habe die Band nie offiziell verlassen, sondern war am Schluss als einziges Orginal-Mitglied der Band übrig geblieben. Die letzte Bonfire Show damals war im Juli 1994 in Neumarkt/Oberpfalz und danach vereinbarten wir eine kreative Pause, um zu überlegen, wie es in Zukunft weitergehen sollte. Eine angestrebte Reunion in der Orginalbesetzung verlief 1995 leider erfolglos, sodass wir uns letztendlich darauf einigten, den Namen Bonfire, an dem Angel, Edgar und ich die Rechte hielten, an Claus und Hans zurück zu verkaufen.

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Hast du die weitere Karriere von Bonfire verfolgt/ihre Alben gehört?

Dafür fehlt mir die Zeit, aber ich wünsche ihnen alles Gute. Gelegentlich besuche ich die Jungs bei Konzerten, wenn sie mal in meiner Nähe spielen, oder wir telefonieren. Vor ein paar Monaten habe ich der Band diverse unveröffentlichte Bonfire Live-Tracks zur Verfügung gestellt, die dann auf den Re-Releases von Don’t touch the Light, Fireworks und Point Blank Verwendung fanden.

Nach deinem Ausstieg hast du noch für Sabu und Soul Doctor gespielt. Was waren die Unterschiede zu deiner Zeit in Bonfire?
Bei Sabu handelte es sich lediglich um ein Projekt, welches aus Bonfire hervorging und nach zwei Jahren in der Versenkung verschwand. Die Erwartungen für Soul Doctor waren von meiner Seite weitaus höher angesetzt, da es sich hierbei um eine richtige Band handelte, die man von ganz unten für die Zukunft aufbauen wollte. Dass das letztendlich nicht funktioniert hat, lag an der oft naiven Einstellung und Unerfahrenheit diverser beteiligter Musiker, was letztendlich im Jahre 2003 auch meinen Ausstieg zur Folge hatte.

Wie siehst du den Status des traditionellen Hard Rocks anno 2009?
Neue Bands haben es definitiv sehr schwer im internationalen Business Fuss zu fassen, geschweige denn als Musiker überhaupt davon leben zu können. Die Zeiten haben sich gravierend verändert und andere Musikstile an die Spitzen der Hitparaden katapultiert. Lediglich die alten oder seit jeher etablierten Rockgrößen wie Bon Jovi oder Mötley Crüe feiern nach wie vor noch weltweit grosse Erfolge, weil sich die Fans aufgrund der Vergangenheit noch damit identifizieren können. Einer neuen Band mit dem gleichen Sound gelingt dies nur noch selten und ich glaube, das wird sich auch nicht mehr ändern.

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Du bist 2004 nur knapp der Tsunami-Katastrophe entronnen: Wie hat das dein Leben verändert?
Gravierend! Mir wurde einmal mehr bewußt, wie schnell das Leben und alles drum herum vorbei sein kann. Nach dieser Erfahrung schwor ich fortan mein Leben nur noch ein Jahr im voraus zu planen und lediglich in Ausnahmefällen Träume oder Pläne langfristig nach hinten zu schieben. Nicht lange nach der Tsunami Katastrophe erhielt ich von einer befreundeten Thailänderin aus Bangkok folgende Lebensweisheit mitgeteilt: Die Zeit kommt aus der Zukunft die nicht existiert, in die Gegenwart, welche keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit über die aufgehört hat zu existieren. Fazit: Let’s have some fun… NOW!

Bist du auch deswegen nach Deutschland zurückgekehrt?
Das war nicht der einzige Grund. In Thailand ist es generell sehr schwierig als Ausländer langfristige Arbeitsgenehmigungen zu bekommen, und selbst wenn man den Sichtvermerk bekommt, werden einem viele Steine in den Weg gelegt. Ich liebe Thailand und verbringe jedes Jahr mehrere Monate dort, dann allerdings ohne Auflagen und mit Touristenvisum.

2005 hast du die Musik an den Nagel gehangen und wurdest professioneller Hochzeitsfotograf. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich wollte einfach etwas neues ausprobieren und nicht wie viele andere Musikerkollegen aus den 80ern gefrustet den vergangenen Zeiten nachweinen. Es gab doch wahrlich keinen Grund zur Klage. Zusammen mit Bonfire hatte ich fast eine Million Tonträger verkauft, mehrmals die ganze Welt bereist, als eine der wenigen deutschen Rockbands eine goldene Schallplatte erhalten und somit meine damaligen Träume Stück für Stück in die Realität umgesetzt. Schon seit meiner frühen Jugend begeisterte ich mich für Film und Fotografie und deshalb lag es nahe, mein Glück einmal in diesem Genre zu versuchen, zumal es ja wie die Musik eine künstlerische Tätigkeit ist. Früher hatte ich Songs komponiert und nun begeistere ich mich für Bildkompositionen und halte damit einen vergänglichen Moment für die Ewigkeit fest. Desweiteren bin ich weitestgehend unabhängig und kann nach wie vor die Welt bereisen – meine grosse Leidenschaft! Und die Kamera ist immer dabei…

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Hast du dich schon früher für Fotografie interessiert?

Ja, bereits im Alter von 12 Jahren begeisterte mich die Fotografie weil man damit in der Lage war die Welt so festzuhalten, wie man sie selbst sieht…

Wieso hast du dir als Spezialthema ausgerechnet Hochzeiten ausgewählt?

Ich liebe es spontane und vor allem überwiegend ungestellte Momente mit der Kamera einzufangen, was gerade bei modernen Hochzeitsreportagen, wie ich sie anbiete, zum Tragen kommt. Dabei gilt es schnell und dennoch fast unauffällig zu arbeiten, um sowohl vom Brautpaar als auch seinen Gästen nicht als Störfaktor betrachtet zu werden. Oft hat man für den perfekten Schuss nur eine Gelegenheit, das ist es was mich dabei so reizt. In einem Atelier stellt der Fotograf seine Kamera und das Licht so lange ein, bis es perfekt ist, auch wenn es eine Stunde dauert. Ich habe oft nicht mal 5 Sekunden, unangenehmes Gegenlicht und ständig Personen, die mir das Motiv verdecken oder in die Kamera laufen. Man lernt immer dazu und muss es am Ende des Tages geschafft haben unter allen Umständen eine authentische Hochzeitsreportage abzuliefern. Die meisten meiner Hochzeiten mache ich zwischen April und Oktober, ab Weihnachten bis März verbringe ich die Zeit in Thailand.

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Muss man da als Fotograf bei einer Hochzeit sehr sensibel vorgehen, weil man in einen sehr speziellen Moment zweier Menschen reinplatzt?

Absolut! Es ist auch unbedingt notwendig, dass die Chemie zwischen Fotograf und Brautpaar im Vorfeld stimmt, sonst würde sich das eventuell negativ auf die Fotos auswirken. Und Vertrauen – Braut und Bräutigam müssen dir absolut zutrauen, dass man in der Lage ist, ihren Tag in perfekten Hochzeitsfotos umzusetzen – schließlich kann man diese Momente niemals wiederholen.

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Verfolgst du das musikalische Geschehen in der Metal- und Rockszene noch? Welche Musik hörst du heute privat?

Soweit es die Zeit zulässt. Gelegentlich fotografiere ich auch Konzerte wie neulich bei Heaven and Hell, Alice Cooper oder Whitesnake. Paul Potts oder Tokio Hotel sind da auch schon mal dabei. Wenn ich zuhause am Computer meine Fotos bearbeite, höre ich überwiegend Soundtracks oder Klassiker der 70er und 80er Jahre wie Van Halen, Def Leppard oder AC/DC.

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2008 erschien deine Biographie Fire And Fame, die deine Jahre als Musiker und Bonfire-Mitglied dokumentiert: Hast du darauf Reaktionen deiner früheren Bandmitglieder bekommen? Wenn ja, welche?

Ich habe allen ein Exemplar geschickt und die Reaktionen waren sehr positiv. Von extrem unterhaltsam bis spannend und authentisch war alles dabei, was mich sehr gefreut hat. Vor allem Edgar Patrik hat es sehr gefallen. Die internationale Presse war ebenfalls sehr positiv und zur Zeit arbeite ich mit meinem Freund und Musik Promoter Stephan Treu an der deutschen Übersetzung, welche 2011/2012 veröffentlicht werden soll. Infos unter: www.fireandfame.com

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